Kunst im Extremadura-Lexikon

Römische Kunst in Extremadura

Die römischen Truppen und Bauern kamen zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. in die Provinz Betica, der heutigen Extremadura. Sie wollten die Gegend für das Römische Reich neu besiedeln. Nach harten Kämpfen, die sehr viele Opfer forderten, gelang es den Römern das Gebiet bis zu Fluss Tajo zu beherrschen. Im Jahre 25. v. Chr. entstand hier die Provinz Lusitania, mit der Hauptstadt Emerita August, dem heutigen Merida. Bis die Römer jedoch in allen Bereichen des Landes die Herrschaft übernommen hatten, dauert es noch sehr lange Zeit, denn das Gebiet reicht vom Fluss Guadiana bis zum Fluss Tajo und ist entsprechend groß. Daher gibt es auch unzählige Fundstätten, an denen sich heute kunsthistorisch Begeisterte erfreuen können. Die Ruta de la Plata, die Silberstraße, ist eine Römerstraße, durch die südliche Provinz Italica mit der nördlichen Provinz Astorga verbunden war. Hier kann man prächtige Theater, Tempel, Brücken und Aquädukte sowie Thermalbäder, Grabdenkmäler und Museen besichtigen. In der Nähe von Casas de Reina befinden sich die Überreste der römischen Provinz Regina. Bei Azuaga kann man Reste einer römischen Siedlung besichtigen, durch die das südliche Gebiet mit dem Norden von Andalusien verbunden war. Hier gibt es auch recht viele Bergwerkanlagen zu bestaunen. Das römische Theater in Regina ist erstaunlich gut erhalten und ist ein wahrere Publikumsmagnet. Im Provinzmuseum Badajoz findet man die meisten Funde aus dieser Ausgrabung und auch im Nationalmuseum für Römische Kunst in Merida ist einiges ausgestellt. Das heutige Zalamea de al Serena war das römische Lulipa. Hier kann man ein Dystilo besichtigen, ein Grabdenkmal, dass man auch in Griechenland häufig findet. Sein Ursprung ist jedoch nicht eindeutig geklärt.

Westgotische Kunst in Extremadura

Die Westgoten herrschten drei Jahrhunderte lang über Lusitania, dass im 5. und 6. Jahrhundert eines der wichtigsten Kulturzentren der iberischen Halbinsel war. Seit dem Jahre 469 war Merida in der Extremadura durch die westgotische Herrschaft ein strategisch wichtiger Punkt, zudem war die Stadt ein politischer Brennpunkt und auch ein religiöser und kultureller Anziehungspunkt. Von hier aus wurden viele beeindruckende Handwerksarbeiten mit römisch-christlichen Einflüssen in die ganze Welt verbreitet. Auch orientalische Einflüsse sind deutlich zu spüren und so hat die westgotische Kunst einen ganz eigenen Charakter, der auch hispanisch-westgotische Kunst genannt wird. Von den einst sehr prächtigen Bauten, Basiliken und Taufkapellen sind allerdings nur einige wenige architektonische Reste und Figuren von religiösen Bauwerken gefunden worden. In Merida befindet sich das Museum Westgotischer Kunst, in der Santa-Clara-Staße. Es befindet sich in einem Gebäude, in dem ehemals römische Sammlungen zu bestaunen waren, die sich heute im Nationalmuseum für römische Kunst befinden. Mehr als 1000 Exponate kann man hier bestaunen, unter ihnen beeindruckende Pilaster, Gittertüren, Schildenhalter, Vertäfelungen und Nischen. Bei Casa Herrea, ganz in der Nahe von Merida, befinden sich die Rest von zwei gegeneinanderliegenden Apsissen, die sehr beiendruckend sind. In der maurischen Festung Alcazaba kann man sehen, wie die Araber die westgotischen Pilaster benutzten. Deutlich wird dies am Eingang und in der Zisterne. Sehr beeindruckende ist auch die heutige Basislila Santa Eulalia. Sie war eine Märtyrerin und die auch die Schutzpatronin der Stadt, die im Jahre 303 n. Chr. starb. Im 6. Jahrhundert wurden an der Basilika umfangreiche Erweitungsarbeiten und Reformierungen am Marstempel aus dem 4. Jahrhundert durchgeführt. Der Auftraggeber war damals Bischof Fidel. Die Reformierungen waren sehr stark vom hispanisch-westgotischen Stil geprägt, denn die Bauweise ermöglichte eine neue Struktur mit drei Schiffen, die mit Steingewölben bedeckt waren.

Islamische Kunst in Extremadura

Die Araber lebten fünf Jahrhunderte lang in der Extremadura. Die Herrschaft begann mit der Schlacht bei Guadalete im Jahre 711 und endete im Jahre 1248 mit der Rückeroberung durch die christlichen Truppen. Die Extremadura lag zu dieser Zeit an der Grenze des wichtigsten religiösen und künstlerischen Zentrums: des Kalifats und Emirats von Cordoba. Badajoz wurde zum Ende des 11. Jahrhunderts sogar zu einem Taifa-Königtum, nachdem der andalusische Omeyas niedergegangen war. Die Extremadura war zu dieser Zeit den religiösen und künstlerischen Einflüssen der Almohaden und Almoraviden ausgesetzt. Sie hinterließen zwischen den Flüssen Tajo und Guadianan in vielen Ortschaften tiefe Spuren. In vielen Orten war die islamische Macht sehr stark ausgeprägt und so kann man viele kunsthistorische Bauwerke und Reste aus dieser Zeit besuchen. Vor allem handelt es sich um militärische Festungen und Lager, die teilweise ihre ursprünglich Form haben, teilweise aber auch von neuen Kulturen sehr stark reformiert wurden. Auf der alten Römerstraße von Astroge nach Italica, kann man Montemolin besuchen, die letzte Ortschaft in der Extremadura, die zurückerobert wurde. Hier befinden sich sehr wichtige Bauwerke aus Bausteinen und Lehm. Die Ortschaft Regine, aus dem 2. Jahrhundert beinhaltet ebenfalls Reste der römischen Sieldung Regine und zudem ein sehr interessantes römisches Theater. Ein wichtiger maurischer Brennpunkt im 11. Jahrhunderts war Zafra, das islamische Sajra. In der Stadt kann man an den kleinen und engen Gassen die Struktur der einstigen Herrscher noch ganz deutlich erkennen. Des Weiteren sehr interessant ist die keine Ortschaft Hornachos, die sehr mit der islamischen Kultur verbunden war und das weit über die Rückeroberung hinaus. Im 17. Jahrhundert war dies ein maurisches Zentrum, bis die Mauren im Jahre 1609 endgültig vertrieben wurden.

Die romanische Extremadura

Der südlichste Teil der Extremadura stand unter maurischer Herrschaft, weshalb die künstlerischen und historischen Einflüsse aus Europa erst sehr spät hier ihren Platz fanden. Im 11., 12. und 14. Jahrhundert wurden religiöse Bauen und auch die Bauten der Einheimischen im maurischen Stil erbaut. Erst zum Ende des 13. Jahrhunderts oder auch noch viel später fand man auch Werke im romanischen Stil. Die Gotik, die zu dieser Zeit in Europa sehr weit verbreitet war, fand man hier nur vereinzelt. In den folgenden Jahren fand die Wiederbesieldung der Extremadura statt und auch der Aufbau von religiösen Bauwerken wurde ständig vorangetrieben. Die Gebiete wurden zu dieser Zeit unter den neuen Herrschern aufgeteilt, wobei der größte Teil für die Militärorden vorgesehen waren. Sie waren die Einführer der künstlerischen Tätigkeiten, vor allem von denen, die aus dem Norden stammten. Überaus sehenswert ist die Stadt Plasencia, die im Jahre 1186 von König Alfonso VIII. gegründet wurde. Aufgrund ihre nördlichen Lage sind die romanischen Einflüsse in vielen der ältesten religiösen Bauten und Bauten der Einheimischen zu finden. Besonders zu erwähnen ist der alte Dom, der in einem beeindruckenden romanischen und gotischen Stil gebaut ist und über ein wundervolles Portal verfügt. Hier kann man eine Darstellung der Verkündigung Marias sehen, die allerdings leider nur unvollständig ist. Der romanische Dom, der aus drei Schiffen besteht, wurde im 13. Jahrhundert begonnen. Weitere romanische und gotische Elemente findet man in der Kapelle von San Pablo. Des Weiteren findet man in der Kirche El Salvador sehr viele romanische Züge, die aus dem 13. Jahrhundert stammen. In der Nähe von Plasencia sind weitere Beispiele für diesen Baustil zu finden. In der Sierra de Gata befindet sich die Ortschaft Hoyos, in der sich ein sehr schönes Portal an einer spätromanischen Kirche befindet.

Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts in der Extremadura

In der Extremadura verbreiteten sich im 17. und 18. Jahrhundert neue Richtlinien für die religiöse und die zivile Architektur. Im 17. Jahrhundert fand man erstmals den Barock in der Extremadura. Politisch hat sich zu dieser Zeit auch so einiges getan, denn ein Teil der maurischen Araber wurden gezwungen ihre Ländereien zu verlassen und wurden im Jahre 1609 von Felipe II dann endgültig vertrieben. Zu dieser Zeit gab es sehr viele Wanderherden, die sich hin und wieder niederließen und damit auch ihre Spuren hinterließen. In vielen Kirchen, Klöstern und Einsiedeleien wurden Barockelemente verbaut. Beeinflusst wurde die Extremadura zu dieser Zeit auch von Andalusien und Kastilien. Deutliche spätbarocke Elemente, die von der andalusischen Kunst, vom Mudejar-Stil und von Iberoamerika beeinflusst wurden, befinden sich im Süden der Extremadura. Im Fregena de la Sierra findet man viele Häuser und andere Bauten im barocken Stil, wie das Haus vom Marquis von Rioacabado. Auch die alte Jesuitenschule, die Einsiedelei der Virgin de los Remedia und die Kirche Santa Maria del Castillo haben sehr viele barocke Elemente. In Bodonal de la Sierra ist das Rathaus einen Besuch wert, denn es ist eines der schönsten Gebäude im neoklassischen Stil in der ganzen Extremadura. Es stammt aus dem Jahre 1725. Fährt man weiter nach Herez de los Caballeris, sieht man sehr viele Kirchen und Türme, die mitunter die schönsten Beispiele des Barocks der Extremadura sind. Verbaut wurden bei diesen schönen Gebäuden vor allem Ziegel, Gipsmörtel und Lehm. Die Verzierungen sind nicht zu sehr überladen, was den besonderen Reiz der Bauwerke ausmacht. Allerdings kann man bei vielen Kirchen einen Hauch von Rokoko erkennen.


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